Amazon wird greifbar – Der Amazon Books Store in Seattle

Im University Village Shopping Center, Seattle, wurde im November 2015 ein neuer Buchladen eröffnet. Auf den ersten Blick einfach ein weiterer Buchladen in den USA. Besonders wird der Store erst, wenn man wahrnimmt, dass über dem Eingang amazon books steht.

Nach Betreten wird einem schnell klar, dass amazon books kein typischer Buchladen ist. Alle für den Kunden erreichbaren Bücher sind mit dem Cover dem Kunden zugewandt. Es gibt keine wenig aussagekräftigen Buchrücken, die sich aneinander drängen. Jedem Buch ist eine Kurzrezension, eine Empfehlung eines Mitarbeiters oder anderer Testimonials, Rankings oder Bewertungen zugeordnet. Amazon übergibt die Präsentation der Bücher von der Website an den stationären Handel. Die Anzahl der ausgestellten Titel hat Amazon im Vergleich zum Online-Angebot deutlich reduziert, erhofft sich dadurch aber, dass sich die ausliegenden Bücher schneller verkaufen. Ähnlich wie es der deutsche Tradtionshändler Hugendubel auf seiner ab 2017 stark reduzierten Fläche am Münchner Marienplatz plant.

Die gesamte Atmosphäre im Shop lädt dazu ein, die einzelnen Titel zu entdecken: Es gibt Leseecken mit Stromanschlüssen, die zum längeren Verweilen einladen. Es läuft unaufgeregte Musik, die zur guten Atmosphäre beiträgt. Und zwischen den Büchern finden die Kunden auch die Amazon eigenen Produkte, insbesondere den Kindle, ohne aber, dass diese Produkte davon ablenken, was der Store ist: Ein klassischer Buchladen.

Auch wenn dies nicht der erste physikalische Laden von Amazon ist, so ist er doch der erste, der nicht als Pop-up-Store konzipiert wurde und sich auf das Ursprungsprodukt des Konzerns, das Buch, konzentriert.

Amazon selbst gibt zu, dass der Laden auch dazu da sein wird, zu testen und zu lernen, aber schon jetzt lassen sich bei einem Besuch im Store Dinge aus dem Auftritt ableiten:

  1. Online-Shops dienen immer noch in erster Linie der klassischen Bedürfnisbefriedigung: Man kauft, was man gerade benötigt, z.B. ein bestimmtes Buch oder Waschmittel. Ein Entdecken von Artikeln ist schon aufgrund der physikalischen Beschränkung von Monitoren schwierig. Meist können zwei, drei weitere Artikel im Sinne eines Cross-Sellings empfohlen werden, aber ein „Browsen“ ist nur eingeschränkt möglich. Hier hat der stationäre Handel bei einer guten Präsentation am POS Stärken, die es auszuspielen gilt. Dieses bestätigt auch die Erfolgsgeschichte der Apple Stores und deren hoher Quadratmeter-Umsatz.
  2. Die psychische Befriedigung beim Kauf kann E-Commerce durch den zeitlichen Abstand zwischen Kauf und Lieferung noch nicht bieten. Hier spielt der Urinstinkt des Jagens und Sammelns noch immer eine starke Rolle. Der stationäre Handel hat hier einen deutlichen Vorteil, da Kauf und Erhalt der Ware in einem fließenden Prozess passieren.
  3. Online- und Offline-Handel können sich positiv ergänzen. So werden bei Amazon Books auch Bücher präsentiert, die weit hinten auf dem Amazon Verkaufsranking liegen, aber von den Lesern durchweg positive Bewertungen erhalten. Solche Artikel würden ohne den Feedback-Kanal der Rezensionen in einem normalen Buchladen untergehen.

Superpersonalisierung: persönliches Marketing

Menschen erkennen persönliche Ansprache sofort und öffnen sich ihr unwillkürlich. Nur dieser aufwendige Marketingansatz bringt langfristigen Erfolg in harten Märkten.

Superpersonalisierung (Supers) spricht einen Interessenten unverwechselbar an. Tatsächlich erscheint Supers damit in relativer, positiver Alleinstellung: Viele Firmen nutzen noch stets pseudopersönliche Werbemailings. Deren deutlich geringerer Aufwand bringt aber kaum langfristigen Gewinn. Nachhaltiges E-Mail-Marketing erzwingt also wirklich individuelle Dialoge. Diese einzigartige Kommunikation bedeutete bisher hohen Personalaufwand. Alternativ erfordert Supers zunehmend ausgefeilte maschinelle Intelligenz.

Artegic berichtete letztes Jahr von nur einem guten Drittel Unternehmen mit Supers-E-Mails. Hier bietet sich Firmen also hohes Potenzial zur wirksamen Re- und Neuakquise. Dazu gelingt automatisierte Supers über Analysen von Klicks und Käufen. Dieser Ansatz schlägt Marktsegmentierung nach Zielgruppen klar. Zu diesem Zweck garantiert Supers je Empfänger individuelle Nachrichten: Inhalt passend zum aktuellen Bedarf.

Supers erscheint langfristig als einzig tragfähiges Marketing. Zu dieser Wirkung nutzt sie dichte Informationen zu allen Interessenten:

  • sämtliche Daten zu Transaktionen in allen Onlineshops und Straßengeschäften;
  • gekaufte Artikel, präzise aufgeschlüsselt nach Ort und Zeit;
  • Pointerbewegungen und Klicks, aufgelöst nach Schirmkoordinaten und Tempi;
  • Reaktionen auf E-Mails und Newsletter.

Stationäre Geschäfte geben besondere Einsichten, denn Menschen bleiben physisch: Begegnungen in der materiellen Welt offenbaren Kunden ihren geschulten Mitarbeitern.

Solche Information lässt sich nur durch mehr Information ersetzen: Sie bleibt der Hubraum modernen Marketings und liefert Drehmoment für Umsatz. Also interessieren sämtliche legal erhältlichen Daten ohne Ausnahme: Jeder einzelne Fakt erweitert Einsichten exponentiell per Vernetzung mit Gegebenem. Kein Input wird je vergessen: Er kann potenziell in jedem Moment ungeahnte Relevanz erlangen. Fortschreitende Speichertechnologien und CPU-Leistung stärken diese Möglichkeiten. So automatisieren sich Rückschlüsse auf individuelle Präferenzen von Kunden. Dies fördert Supers als natürlich erscheinende Nachrichten an Interessenten. Deren Reaktionen wiederum liefern neue Daten zur maschinellen Auswertung ohne Ende. Diese Erweiterung verdichteter Informationen heizt selbstwachsende Superpersonalisierung.

Fazit

Superpersonalisierung kommt unaufhaltsam mit sich entwickelnden Technologien. Dazu beobachten wir für Sie laufend alle praktischen Methoden maschinellen Lernens. Diese Trends personalisieren speziell E-Mail-Marketing und Newsletter zunehmend.

Fragen, die jede Marke beantworten muss.

Für Markenkommunikation gibt es mehr Kanäle als je zuvor. Damit wächst die Verunsicherung. Wo soll ich meine Marke kommunizieren und wie? Wie setze ich bestmöglich meine Mittel ein? Um diese Fragen zu beantworten, muss ich meine Marke wirklich kennen. Und dazu müssen zuvor andere, grundlegende Fragen beantwortet werden. Sie sollten bei jeder Planung und bei jedem Briefing im Hinterkopf sein:

1. Wofür steht meine Marke?

Welche Farbe hat meine Marke? Welche Werte vertritt sie? Welche Botschaft hat sie? Ist sie eher ein Künstler oder ein Handwerker? Wie wird sie von innen und von außen wahrgenommen? Welche Gefühle löst sie aus? Wird sie geliebt, gemocht, respektiert, geduldet, ignoriert, verachtet, gehasst? Was will meine Marke erreichen? Wo ist sie auf diesem Weg?

2. Wie kommuniziert meine Marke?

Welche Sprache spricht sie? Welche Bilder zeigt sie? Ist sie humorvoll, provokant, seriös? Aktiv oder beobachtend? Welche Kanäle nutzt sie? Welche möchte sie nutzen? Warum? Wie kann die Kommunikation vereinfacht werden? Dient alles, womit die Marke kommuniziert wird, dem, wofür sie steht? Wie kann meine Marke emotionaler werden?

3. Wer sind meine Kunden?

Wie sieht mein typischer Kunde aus? Was arbeitet er? Wie lebt er? Wofür interessiert er sich? Wovon träumt er? Was denkt er über meine Marke? Was erwartet er von ihr? Wertschätze oder geringschätze ich insgeheim meinen Kunden? Wie kann ich mehr über meinen Kunden erfahren? Wie kann ich mehr Kunden erreichen?

4. Was tut meine Marke für den Kunden?

Sieht meine Marke den Kunden nur als Kunden? Was tut sie darüber hinaus für ihn? Was hindert den Kunden daran, morgen zur Konkurrenz zu gehen? Hat die Marke aus Fehlern gelernt? Was? Wie kann sie noch mehr für den Kunden tun?

5.  Was tut meine Marke für die Welt?

Was tut meine Marke für die Umwelt? Was tut sie für Menschen? Für Tiere? Ist sie eher großzügig oder geizig? Macht meine Marke die Welt zu einem besseren oder einem schlechteren Ort? Was könnte sie besser machen? Was hält sie davon ab?

So gelingt Markenkommunikation

Alles für den Kunden – gute Werbung kann aus verschiedenen Gründen gut sein: weil sie verkauft; weil sie kreativ ist; unterhält; millionenfach gesehen wird; das Image verbessert. Eine Sache aber haben alle gelungenen Kommunikationsmaßnahmen gemeinsam: Sie beantworten grundlegende Fragen der Marke und stellen den Kunden ins Zentrum.

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Google Project Loon

Wie kann ich mehr Kunden erreichen?

Google könnte diese Frage mit einer Banner-Kampagne beantworten, die auf bestehende Internet-Nutzer zielt – „Jetzt das neue Chrome herunterladen“. Stattdessen hatte Google die Idee, sich als Technologieführer zu zeigen und mit dem Projekt Loon auf jene 4,5 Milliarden Menschen abzuzielen, die vom Internet weitgehend ausgeschlossen sind. Dafür werden Hightech-Ballons in der Stratosphäre in 20.000 Meter Höhe platziert, um dort ein Netzwerk zu bilden und Internet-Funksignale in entlegene Gebiete der Erde zu funken. Eine spezielle Hausantenne fängt die Signale auf. Zum Start wurden 30 Ballons über Neuseeland abgesetzt, die nun 50 Farmern Zugang zum World Wide Web ermöglichen. Hunderte solcher Ballons weltweit sind geplant. Die Kosten für ein solches Projekt dürften immens sein, aber Google weiß, dass der Multiplikationseffekt für die Marke unschätzbar ist. Schon jetzt erreichen Videos auf YouTube Millionen, und Earned-Media-Werte in Millionenhöhe werden erzielt.
Google Project Loon Website

 

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Dodge Website

Wie kann ich die Bedürfnisse meiner Kunden besser verstehen?

Der US-amerikanische Autohersteller Dodge hätte ein Auto verlosen und dabei Kundendaten sammeln können, hatte aber eine bessere Idee: Die Kampagne Dodge Dart Registry erfand eine ganz neue Art, Autos zu finanzieren. Gemäß der amerikanischen Tradition, sich anlässlich einer Hochzeit auf Geschenkseiten einzutragen, wurde eine Webseite geschaffen, auf der man seinen individuellen Dodge Dart konfigurieren kann. Wenn das Auto steht, kann man Anfragen an Freunde und Familie versenden, ein bestimmtes Teil des Autos zu sponsern – vom Scheibenwischer bis zum Motor. Dabei bezog die Marke die Crowdfunding-Seite RocketHub mit ein und zeigte, wie man technologisch ganz vorn sein kann und gleichzeitig seiner Marke zu mehr Umsatz verhilft.
Dodge Dart Registry Website

 

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Toyota Meals per Hour

Wie kann meine Marke emotionaler werden?

Toyotas Antwort auf diese Frage war kein Werbespot, der eine Familie in einem Toyota Corolla zeigt. Vielmehr stellte das Unternehmen mit einer sozialen Aktion seinen Markenwert „Perfektion“ in den Fokus und sammelte gleichzeitig Sympathiepunkte als japanischer Hersteller auf dem US-Markt. Dazu traute sich Toyota sogar an das nationale Thema „Hurricane Sandy“ heran. Durch den Sturm waren Tausende Menschen in Not geraten. In bester Tradition des „Kaizen“-Produktionsprinzips von Toyota, das auf vielen kleinen Verbesserungen zugunsten des großen Ganzen beruht, wurde die Stadt New York dabei unterstützt, Essenslieferungen an Bedürftige zu optimieren. Durch das Know-how von Toyota konnte die Zahl der „Meals Per Hour“ kräftig erhöht werden. Gleichzeitig spendete Toyota für jeden Klick auf YouTube eine Mahlzeit und zeigte Amerikanern, dass es einer von ihnen ist.
Meals per Hour Website

 

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Disney Magic Band

Wie kann ich mehr für meine Kunden tun?

Auch der USP von Disneyland ist in die Jahre gekommen. Statt aber mit neuen Attraktionen für den Park um Kunden zu werben, verbesserte Disney lieber sein bestehendes Produkt. Und schuf das MagicBand: ein Armband mit RFID-Chip, das Besucher auf Wunsch erhalten und in Disneyland und Disney Stores nutzen können. Damit ist Disney in der Lage, seine Kunden kennenzulernen und ihr Nutzerverhalten im Park zu beobachten: wie derjenige heißt, wann er Geburtstag hat, welche Angebote er mag, wie er seine Zeit verbringt, wofür er Geld ausgibt. Im Gegenzug optimiert und personalisiert Disney den Service im Park und verkürzt zum Beispiel Wartezeiten durch direkten Zugang zu den Attraktionen. Und der lebensgroße Goofy gratuliert plötzlich Kindern persönlich zum Geburtstag. „Big Data“ auf diese Weise umzusetzen, ist aus Datenschutzgründen umstritten – und doch könnte unsere Zukunft genau so aussehen.
Disney MagicBand Website

Nachruf auf den USP

Die beliebteste Münchner Biermarke macht keine Werbung und verkauft sich trotzdem gut. Damit steht sie in unserer heutigen Produktwelt ziemlich allein da. Denn Produkte sind austauschbar geworden. Der USP oder „Unique Selling Proposition“ – dieser eine Grund, der für ein Produkt sprach, ist tot. Er starb mit der Entstehung des globalen Marktes, der digitalen Revolution und den immer schnelleren Produktionszyklen. Nokia bewarb  sein neues Lumia 925 in Deutschland mit einem TV-Spot voller Zombies. Man rückte die lichtstarke Kamera in  den Vordergrund des Produkt-Launches, weil es sonst wenig Differenzierendes zu berichten gab. Die Idee eines Alleinstellungsmerkmales, das das Angebot deutlich vom Wettbewerb differenziert und sich verteidigen lässt, gilt hier nicht mehr. Denn der Zeitraum, in dem ein anderer Anbieter ein vergleichbares oder besseres Feature anbieten kann, wird immer kürzer. Die Regale der Mobilfunkanbieter sind voller neuer Smartphones, die alle  gleich aussehen und alle das Gleiche können. Das gilt für andere Produktgruppen und Services genauso. Apple, Nike und Co. verkaufen daher keine Produkte, sondern Bedeutungen. Sie sind Teil unseres Lebens geworden und reden mit uns wie ein Freund. Sie hören uns zu, kennen unsere Bedürfnisse und helfen uns bei unseren Anstrengungen, in dieser verrückten Welt klarzukommen. Ihr Erfolg kam nicht über Nacht, sondern erforderte Jahrzehnte an Markenbildung und konsequenter Kommunikation, die den Kunden ins Zentrum stellt. Mit dem USP war Werbung einfacher, aber wir trauern ihm nicht nach. Denn statt eines Produktes bekommen wir heute so viel mehr: ein ganzes Universum.

Neue Chancen am Point of Sale

Kaufen ist nicht mehr, was es war. Kaum im Laden, zückt der potenzielle Kunde heute sein Smartphone und googelt in wenigen Minuten alles Wichtige über das Produkt, das ihn interessiert – was es kosten darf, was andere Käufer darüber denken, ob es bereits Probleme gab etc. Um ihn tatsächlich zum Kauf zu bringen, dazu bedarf es schon guter Argumente.

An dieser Stelle entdeckt der Handel seine klassische Stärke wieder: als Touchpoint der Marke zu dienen und diese für den Kunden erlebbar zu machen. Das zu machen, was das Internet nicht leisten kann.

Eine entscheidende Rolle kommt dem Verkaufspersonal zu, das auch den kritischsten Kunden durch besondere Fachkompetenz überzeugen kann. Des Weiteren kann die Marke in emotionaler Weise inszeniert werden, wie dies zum Beispiel die BMW-Welt in München macht, die von der Architektur über verschiedenste Hightech-Medien bis hin zu spektakulären Events den Autokauf in eine neue Dimension geführt hat.

Zuallererst muss die Marke allerdings klar definieren, wer sie ist und wofür sie steht. Diese Haltung sollte konsequent noch im kleinsten Detail zum Ausdruck kommen, vom Flyer über den Deckenhänger bis zur mobilen Webseite.

Showrooming: Wo wird gekauft?

Offline gucken und online kaufen – dieses Angstszenario des stationären Handels verliert seinen Schrecken. Denn auch im Internet wird oft nur recherchiert statt gekauft. Amazon wird häufig nur wegen seiner Kundenrezensionen aufgesucht.

Eine neue Untersuchung sagt, dass rund ein Drittel aller Käufe in Deutschland durch eine Internetrecherche vorbereitet wird. Im Bereich Mode und Accessoires wird zum Beispiel weit häufiger online recherchiert und offline gekauft als umgekehrt.

(Quelle: EEC Köln und comScore )

Alle Kanäle meistern

Vor Ort, Social Media, mobile – der moderne Kunde ist ständig auf allen Kanälen unterwegs. Und so wünscht sich der Konsument auch eine optimale Einkaufserfahrung: durchgängig, naht- und grenzenlos, jenseits der Kategorien online, offline oder mobile. In einer perfekten Verbindung, ohne den Wechsel der Kanäle zu spüren und ohne Trennung zwischen „realer“ und „digitaler“ Welt. Laut eBay-Chef Donahoe wird in Zukunft kein Unterschied mehr zwischen Offline- und Online-Handel gemacht. Folgende Entwicklungen sind dabei für den Handel von Bedeutung:

  • Store-to-Web:
    Online-Bestellterminals erweitern das stationäre Sortiment um das des E-Shops. Die US-Kaufhauskette Macy’s hat bald die Hälfte ihrer Stores mit E-Shop-in-Shops ausgerüstet.
  • Web-to-Store:
    Online bestellte Produkte können im nächstgelegenen Laden abgeholt werden. Wirkt nicht nur als Frequenzbringer für das stationäre Geschäft, sondern senkt auch Retourkosten, weil Kunden die Ware sofort bei Abholung anprobieren oder testen können.
  • Check & Reserve:
    Storegenaue Online-Verfügbarkeitsabfrage des stationären Warenbestandes. Hierzulande liefert Media Markt bereits Informationen zu allen im Online-Shop gelisteten Produkten.
  • Same-Day Delivery:
    Zustellung von Produkten innerhalb weniger Stunden. Fraglich ist, wie Same-Day Delivery in ländlichen Regionen funktionieren wird. Viel wichtiger als Sofortlieferung werden in Zukunft Lieferungen zum Wunschtermin.

Social Media – aber richtig!

Immer, wenn mal wieder ein sogenannter „Shitstorm“ (eine massenhafte Entrüstung) durchs Internet fegt, wird klar, dass Social Media auch im Jahr 2013 noch gründlich danebengehen kann. Im Gefühl, etwas zu verpassen, eröffnen viele Unternehmen eine Präsenz auf Facebook oder einen Blog, ohne sich zuvor mit den Grundregeln vertraut gemacht zu haben, und laufen ins offene Messer.

Sie wundern sich, dass sie bei den Usern nicht ankommen oder im schlimmsten Fall sogar die eigene Marke beschädigen. Solches passierte jüngst selbst Vodafone, als sich eine Kundin auf der Facebook-Seite über eine zu hohe Rechnung beschwerte. Da der Konzern nicht sofort antwortete, erhielt die Beschwerde innerhalb von vier Tagen 65.000 „Gefällt mir“-Klicks und Tausende empörte Kommentare. Dabei ist Social Media ein hervorragendes Kommunikationsmittel, wenn man es richtig nutzt.

Acht goldene Regeln für Social Media:

1. Zuhören.

Social Media dient dazu, zu kommunizieren und Beziehungen einzugehen. Wie bei einer guten Freundschaft auch, geht es dabei mehr um Zuhören als um Selbstdarstellung. Dann wird man auch die Sprache und die Bedürfnisse seines Publikums besser verstehen.

2. Investieren.

Social Media heißt, stets aktuell zu sein – das kostet Geld und Ressourcen. Dies gilt sowohl für die Qualität der Inhalte wie auch für den Dialog mit dem Publikum. Wird eine Seite nicht ständig gepflegt, verlieren User schnell das Interesse.

3. Authentisch sein.

Unternehmen machen Fehler und sind nicht allwissend. Dies offen zuzugeben, bringt mehr Sympathien ein, als sich zu verteidigen. Nur wer authentisch ist, wird vom Social-Media-Publikum akzeptiert.

4. Souverän bleiben.

Auf Beleidigungen und Kritik sollte man immer gelassen reagieren. Im Zweifelsfall öffentlich machen, wenn ein
User zensiert werden muss. Mitarbeiter des eigenen Unternehmens sollten sich, wenn sie mitdiskutieren, zu erkennen geben.

5. Mehrwert bieten.

Eine Facebook-Seite oder ein Blog lebt davon, Interessantes für seine Nutzer zu bieten. Vor jedem Posting sollte man sich fragen, ob es den Nutzern dient oder nur der eigenen Selbstdarstellung.

6. Präsent sein.

Eine schnelle Reaktion auf Fragen oder Kritik zeigt dem Nutzer, dass er ernst genommen wird. Die Dynamik negativer Worte ist nirgendwo so hoch wie im Internet, bleibt dort für immer sichtbar und kann über Jahre hinaus Schaden anrichten.

7. Keine Schnellschüsse.

Schnell zu sein, ist wichtig. Ein Facebook-Post erreicht die Hälfte seines Publikums in den ersten 30 Minuten. Dennoch sei vor Schnellschüssen gewarnt. Vor jedem Posting sollte man sich gut überlegen, mit welcher Wirkung zu rechnen ist. Im Zweifelsfall: nicht posten.

8. Langfristig denken.

Erfolg ist bei Social Media eher langfristig zu sehen. Die schiere Zahl an Fans oder „Likes“ ist ein Faktor, sagt aber wenig über die Qualität der Beziehungen aus. Der Hauptnutzen für Unternehmen besteht darin, sich menschlich zu zeigen, Sympathiepunkte zu sammeln und seine Kunden besser zu verstehen.

Die Real-Time- Erwartung

Niemand wartet gern, aber was wir seit einiger Zeit beobachten können, ist eine Ungeduld neuer Qualität. Dafür ist hauptsächlich das Internet verantwortlich, das unsere Zeitwahrnehmung fundamental verändert. Da wir in immer höherer Geschwindigkeit Flüge buchen, Partner finden und Waren kaufen können, ist unser aller Toleranz für Verzögerungen sehr gering geworden.

Das bekommt auch der stationäre Handel zu spüren, der ohnehin unter dem Online-Wettbewerb leidet. Er reagiert mit neuen Technologien, die dem ungeduldigen Kunden das Warten verkürzen sollen.

Apple EasyPay ermöglicht zum Beispiel das Einkaufen im Apple Store per iPhone. Man scannt und bezahlt die Ware mit der App, und marschiert aus dem Laden, ohne eine Kasse gesehen zu haben.

Die Firma Square bietet einen Kartenleser an, der einfach auf das Smartphone gesteckt wird und das Akzeptieren von Kreditkarten ohne großen Aufwand ermöglicht.

Mit der App opentabs kann man per Handy seinen Kaffee bei Starbucks bestellen, bezahlen und auf dem Weg ins Büro abholen, ohne sich anstellen zu müssen. In den USA zahlen bereits 4 Millionen Kunden pro Woche ihren Kaffee per Mobiltelefon. (Quelle: FierceMobileContent)

Aber auch im Internethandel geht es verstärkt um Zeit. Die „Lieferung am selben Tag“ wird bereits von Amazon Prime, eBay Now und Google Shopping Express angeboten.

Das britische Start-up Shutl bringt freie Kapazitäten von Kurierdiensten zusammen und ermöglicht sogar Same-Day-Lieferungen zum Wunschtermin. Solche Extraleistungen sind unter anderem nötig geworden, weil neue Apps wie ShopGenius schon beim Suchen auf Amazon anzeigen, wenn es ein noch günstigeres Angebot bei der Konkurrenz gibt.

Der Kunde setzt den Handel mit seiner Real-Time-Erwartung weiter unter Druck. Aber es ergeben sich auch große Chancen. Wer am klassischen Point of Sale mit geschultem Personal erstklassigen Service bieten kann, wird sich auch in Zukunft keine Sorgen machen müssen.